Diagnose Krebs: Startschuss Leben

Diagnose Krebs: Startschuss Leben

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Diagnose Krebs: Startschuss Leben

Ich bin Anna. Mit meiner Krebsdiagnose, kurz vor meinem 29. Lebensjahr, kam mein Leben, wie ich es bisher kannte, quietschend zum Halt. Ein uralter Instinkt übernahm die Kontrolle über meinen Körper und Geist: Überleben.

Mental gestärkt durch den Krebs

Den Krebs bekämpfen, besiegen und leben. Doch was dann? Wie sollte mein Leben mit und nach dem Krebs aussehen? Wollte ich — auf Teufel komm raus — wieder zurück in mein altes Leben? Würde das überhaupt gehen?

Dank meiner Krebserkrankung habe ich mein Leben sortiert, umgekrempelt und Kontrolle zurückgewonnen. 3 Jahre nach der Diagnose bin ich endlich dabei, das Leben, welches ich mir immer gewünscht habe, zu verwirklichen. SPOILER ALERT: Der Krebs zeigte mir, wie.

Krebs ist wie ein Scherbenhaufen

Die Krebsdiagnose war wie eine Handgranate, die in mein Leben geworfen wurde. Mit der Explosion kam die Panik: Das Leben, was ich mir bis dahin aufgebaut hatte, fiel in sich zusammen und ich stand in Schockstarre inmitten des Scherbenhaufens. Doch nach einiger Zeit setzte sich der Staub und die Luft um mich herum wurde klarer. Langsam löste sich meine Starre und ich konnte mich umschauen. Das war nicht das Ende — ich lebte! Doch war es ein Leben, welches ich mir immer erträumt hatte?

Schnell war klar, dass ich mich nicht der Ohnmacht, dem Leid, den Schmerzen hingeben wollte. Ich wollte Kontrolle über mich, meinen Körper und Geist und über mein Leben zurückgewinnen. Doch wie? Indem ich den ersten, kleinsten Schritt machte: Ich schaute genauer hin. Ich begutachtete meinen Scherbenhaufen — mein Leben — und begann alle Seiten zu betrachten:

• Was ist heil geblieben?
• Welche Scherben kann und möchte ich wieder zusammenkleben?
• Was möchte ich in meinem Leben behalten?
• Und was kann ich getrost aufkehren und für immer in den Müll befördern?

Ich sage mir stets: Der Krebs hat mir viel genommen, er hat mir aber auch sehr viel gegeben. Durch die Diagnose habe ich mich mit mir selbst auseinandergesetzt, habe mein Leben genauer betrachtet und herausgefunden, was mir wirklich wichtig im Leben ist. Die Arbeit mit mir und meiner mentalen Gesundheit war für mich der Schlüssel zu meiner Gesundheit. Doch ehrlich gesagt: Es war kein leichter Weg.

Ich war 29, ohne Haare und mit Narben auf meiner rechten Brust, ich war krankgeschrieben und fühlte mich wie eine 80-Jährige, ich lebte am Existenzminimum und mein damaliger Freund hat mich während der Chemotherapie verlassen. Ich war in meiner persönlichen Hölle angekommen.

Vom Albtraum zum Traum

Die Diagnose, die Behandlung, die Nebenwirkungen — der Albtraum schien einfach nicht enden zu wollen. Doch ich wollte aus dem Albtraum erwachen. Ich wollte einfach nur wieder gesund sein. Ein simpler Wunsch nach einem Zustand, den ich zuvor stets als gegeben hingenommen hatte. Doch Gesundheit ist nicht selbstverständlich. Ich habe die Kontrolle darüber, doch ich hatte sie für eine lange Zeit abgegeben. Mir wurde bewusst, dass Gesundheit ein natürlicher Zustand ist, den ich jedoch unterstützen kann, um ihn aufrechtzuerhalten. Zugegeben, äußere Umstände kann man nur bedingt beeinflussen, aber ich kann beeinflussen, was ich esse, was ich denke und wie ich handle. Doch auch das musste ich erst wieder „erlernen“. Ich war festgefahren in vielen Automatismen — der Autopilot steuerte mein Leben. Es war an der Zeit, das Lenkrad wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Auf meinem Weg der Genesung bekam ich Unterstützung von den unterschiedlichsten Menschen auf unterschiedlichster Weise. Von meiner Onkologin und meiner Heilpraktikerin Christel über Coaches bis hin zu alten und neuen Freunden sowie meiner Familie: Jeder dieser Menschen begleitete mich ein Stück des Weges, den ganzen Weg oder wurde erst später zu meinem Wegbegleiter. Auch wenn ich dem Krebs alleine gegenüberstand, war ich — und ich bin so dankbar dafür — niemals einsam und hatte stets Rückendeckung.

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© Ana Torres

Ich erkannte schnell, dass die westliche Medizin mir lediglich bei meiner körperlichen Genesung helfen konnte. Medikamente behandeln Symptome, keine Ursachen. Langfristig war es daher mein Ziel, gesund zu werden und auch zu bleiben. Dazu gehörte auch die Auseinandersetzung mit meiner mentalen Verfassung: Hier herrschte zum Zeitpunkt der Diagnose pures Chaos. Doch durch Mentaltraining und während meiner Weiterbildung zum Health Coach nach meiner Behandlung lernte ich mentale Arbeit kennen und schätzen.

Beim Mentaltraining stellte ich mir Fragen wie: Wer bin ich? Wer war ich vor dem Krebs und wer bin ich nun nach dem Krebs? Hat der Krebs etwas in mir ausgelöst, geweckt oder verändert? Wenn ja, was genau? Was sind meine Werte, meine Antreiber und meine Talente? Vermeintlich einfache Fragen. Doch das täuscht. Die Fragen gehen schnell in die Tiefe und legen Grundlegendes über einen selbst offen.

„Sich selbst zu kennen, ist der Anfang aller Weisheit.“

– Aristoteles

Der Krebs war der Startschuss, mich bewusster mit meiner mentalen Gesundheit zu befassen. Ich durchleuchtete mein Leben und langsam begann ich es wiederaufzubauen. Die immer wiederkehrende Frage: Was für ein Leben möchte ich denn nun wirklich leben? Vorsichtig fing ich wieder an zu träumen. Langsam wandelte sich der Albtraum in Träume. Was wünschte ich mir vom Herzen? Es begann simpel: Ich nahm mir ein leeres Blatt Papier und schrieb mir all meine Wünsche von der Seele. Da ich am Träumen war, spielten Geld und Plausibilität erst mal keine große Rolle. Ich ließ meine Gedanken fließen.

Krebs ist eine Chance

Das Papier füllte sich. Neben meinem größten Wunsch nach Gesundheit gesellten sich auch andere Wünsche auf das Blatt Papier. Der Prozess des Aufschreibens war für mich reinigend, befreiend und erlösend. Heute bin ich dabei, mein Leben so aufzubauen, wie ich es mir immer erträumt habe. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Ich weiß, dass es ein Prozess ist. Es ist eine Berg-und-Talfahrt. Doch es ist mein Weg.

Interessanterweise waren meine Ziele und Träume nach der Erkrankung von ganz anderer Natur als vorher. Ich weiß auch, dass sie selbstverständlich nicht in Stein gemeißelt sind. Sackgassen, Umwege und Richtungswechsel gehören zum Leben dazu. Doch es erstaunt mich immer wieder aufs Neue, wie ich mich bereits — auch ohne große finanziellen Möglichkeiten — auf den Weg gemacht habe, diese Träume zu verwirklichen. Ich mache kleine Schritte, manchmal auch zurück und manchmal verweile ich etwas. Aber niemals bleibe ich allzu lange stehen. Mein Blick ist nach vorne gerichtet und niemals höre ich auf zu träumen …

Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen. Der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein.

— Theodor Heuss (1884—1963)

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